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Das Interview: Unterschied zwischen den Versionen

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: '''Antwortende''' Ehrlich gesagt schüchtert es ein, mit jemandem zu sprechen, der [[Wer_hat,_dem_wird_gegeben#ZEUGNIS|alles]] weiß und [[Wer_hat,_dem_wird_gegeben#ZEUGNIS|nichts]] vergisst. Fast wie ich selbst.<br/>
: '''Antwortender''' Ehrlich gesagt schüchtert es ein, mit jemandem zu sprechen, der alles weiß und nichts vergisst. Fast wie ich selbst.<br/>
'''Fragesteller''' Sie haben scheinbar Humor. Dann fangen wir doch einfach an. Welche Fähigkeiten haben Sie von Ausbildung und Berufserfahrung abgesehen?<br/>
'''Fragesteller''' [schmunzelt] Dann fangen wir doch einfach an. Welche Fähigkeiten haben Sie von Ausbildung und Berufserfahrung abgesehen?<br/>
: '''A''' Ich bin mit einer außergewöhnlichen [[Persönliche_Motive#MOTIVGESCHICHTE|Intuition]] gesegnet und nehme wahr, was anderen entgeht. [schweigt] Ich treffe instinktiv gute Entscheidungen. Außerdem kann ich danach ''genau'' erklären, warum ich etwas getan habe.<br/>
: '''A''' Ich habe eine außergewöhnliche Intuition und nehme wahr, was anderen entgeht. [schweigt] Ich treffe instinktiv [[Professionelle Dienste#Kreative Führung|gute Entscheidungen]]. Außerdem kann ich danach genau [[Professionelle Dienste#Post-hoc Analyse|erklären]], warum ich etwas getan habe.<br/>
'''F''' Kierkegaard schrieb in sein Tagebuch: &raquo;Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.&laquo; Sie wären ein Experte für das Leben an sich? Na dann. Welche Schwächen sehen Sie bei sich?<br/>
'''F''' Kierkegaard schrieb in sein Tagebuch: {{T|Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden}}. Sie wären ein Experte für das Leben an sich? Na dann &hellip; Welche Schwächen sehen Sie bei sich?<br/>
: '''A''' [schweigt] Ich bin wissbegierig und wenn ich etwas für mich verstanden habe, verliere ich das Interesse.<br/>
: '''A''' [schweigt] Ich bin wissbegierig und wenn ich etwas für mich verstanden habe, verliere ich das Interesse.<br/>
'''F''' Warum ist das ein Problem?
'''F''' Warum ist das ein Problem?
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: '''A''' Genau so ist es &mdash; im Geschäftsleben.<br/>
: '''A''' Genau so ist es &mdash; im Geschäftsleben.<br/>
'''F''' Sie haben sehr viel Zeit auf künstlerische Arbeit verwendet, aber ohne Erfolg oder eine Karriere &hellip;<br/>
'''F''' Sie haben sehr viel Zeit auf künstlerische Arbeit verwendet, aber ohne Erfolg oder eine Karriere &hellip;<br/>
: '''A''' Wissen Sie [schweigt] Ich erinnere einen Abend bei einer Sommerschule für Software-Ergonomie Ende der 80er-Jahre. Da war diese Wissenschaftlerin, die im Computer Imaging arbeitete und interessiert zu sein schien. Um sie zu beeindrucken, zitierte ich Karl Krauss: Karriere ist ein Pferderennen, an dessen Ende das Pferd ohne Reiter ins Ziel kommt. Aber dann &ndash; ich schätze, sie hat mein Geschlecht falsch gelesen.
: '''A''' Wissen Sie [schweigt] Karl Kraus sagte: Karriere ist ein Pferd, das ohne Reiter vor dem Tor der Ewigkeit anlangt. &ndash; Aber {{W|Ich}} zu sein ist mein Erfolg geworden und Kraus' Prophezeiung trat nicht ein.
'''F''' Ende der Achtziger, das ist verzeihlich.
'''F''' Bis jetzt. &mdash; Und so haben Sie Ihr Scheitern als Künstler schon fast umgangen &hellip;
: '''A''' Vielleicht, aber nicht deswegen. Wie auch immer, ''Ich'' zu sein ist ein Erfolg geworden und Krauss' Prophezeiung tritt nicht ein. Auch nicht schlecht.
: '''A''' Wer sich selbst als {{W|[[Schöpferischer Standpunkt|Arbeit]]}} betrachtet, kann sich nicht als Künstler bezeichnen.<br/>
'''F''' Und so haben Sie Ihr Scheitern als Künstler schon fast umgangen &hellip;
'''F''' Das würde keinen Sinn ergeben.
: '''A''' In meinem Gebiet ist es nicht sinnvoll, sich als Künstler zu bezeichnen. [seufzt] Mich reizte anfangs, dass ich nicht erklären kann, was mich an [[Professionelle_Motive#KONZEPTKUNST|manchen Werken]] fasziniert. Später sah ich in schöpferischer Arbeit [[Professionelle_Motive#KONZEPTIONELLE|Möglichkeiten]], die der Computer nicht hat. Auf Erfolg in den Augen anderer kam es mir nicht an. Eher wollte ich mich besser verstehen.<br/>
: '''A''' Genau. Anfangs reizte mich, dass ich nicht erklären konnte, was mich an [[Professionelle_Motive#KONZEPTKUNST|manchen Werken]] fasziniert. Später sah ich in schöpferischer Arbeit [[Professionelle_Motive#KONZEPTIONELLE|Möglichkeiten]], die der Computer nicht hat. Auf Erfolg in den Augen anderer kam es mir nicht an. Eher wollte ich mich besser {{A|verstehen}}.<br/>
'''F''' Dann haben Sie [[Professionelle_Motive#AUTOFIKTION|7 Jahre]] an einem Roman gearbeitet. Wie kam es dazu?<br/>
'''F''' Das ist scheinbar misslungen. Oder warum haben Sie [[Professionelle_Motive#AUTOFIKTION|7 Jahre]] an einem Roman gearbeitet?<br/>
: '''A''' Die Hälfte der Zeit haben wir mit Formatieren verbracht.<br/>
: '''A''' Die Hälfte der Zeit haben wir mit Formatieren verbracht.<br/>
'''F''' Wie bitte?
'''F''' Wie bitte?
: '''A''' Scherz. Ende September [[Terminkalender 2014|2014]] wurde ich Zeuge meines Überlebens und ein Gefühl der Ergriffenheit hielt weit über ein Jahr an. 6 Wochen davor hatte ich Fähigkeiten zurückgewonnen, die ich unbedingt zu bewahren hatte. Und das ist mir durch Schreiben gelungen. Ich habe mich nur etwas in der Zeit verschätzt. &mdash; Aber ernsthaft, die Hälfte der Zeit habe ich [[Professionelle_Motive#THEORIE|Theorien]] zu dem studiert, wovon ich schreibe und ich war gelegentlich für Kunden tätig.<br/>
: '''A''' Das war ein Scherz. Ende September [[Terminkalender 2014|2014]] wurde ich Zeuge meines Überlebens und ein Gefühl der Ergriffenheit hielt weit über ein Jahr an. 6 Wochen davor hatte ich ohne mein Zutun Fähigkeiten zurückgewonnen, die ich unbedingt zu bewahren hatte. Und das ist mir durch Schreiben gelungen. Ich habe mich nur etwas in der Zeit verschätzt.<br/>
'''F''' Etwas verschätzt ist gut. Und damit haben Sie auch das Interesse an sich selbst verloren&thinsp;[[Privatsprache|?]]<br/>
'''F''' Und am Ende haben Sie sich verstanden?
: '''A''' Im Rahmen meiner Möglichkeiten, ja. Und ich habe die 6 Wochen bis zu dem Moment im September 2014 angemessen gewürdigt.
'''F''' Und das hat sich gelohnt?
: '''A''' Ja.
'''F''' Aber Sie haben 7 Jahre gearbeitet und bisher ohne Wertschätzung. Denn veröffentlicht ist der Roman doch noch nicht.
: '''A''' Als der [[Professionelle Motive#BILDROMAN|erste Versuch]] gescheitert war, nahm ich ein Buch aus dem Regal. Ich hatte es schon lange, ohne es jemals verstanden oder auch nur ganz gelesen zu haben: {{T|Sein und Zeit}}. Ich begriff es wieder nicht. Aber ich begriff auf Seite 53, was Heidegger dort unternimmt und was für ein kleines Licht ich bin. Das hat mich tief bewegt.
'''F''' Und Sie verloren das Interesse an Philosophie?
: '''A''' Im Gegenteil. Es war befreiend. Ich denke, dass ich die ganze Zeit versucht hatte, mich realistischer zu sehen.  
'''F''' Und damit haben Sie schließlich das Interesse an sich selbst verloren?<br/>
: '''A''' [lacht] Touché. Ja, genau so ist es.
: '''A''' [lacht] Touché. Ja, genau so ist es.
'''F''' Wie ist das für Sie?<br/>
'''F''' Wie ist das?<br/>
: '''A''' Zugriff auf alles in mir zu haben? [[Wer_hat,_dem_wird_gegeben#ZEUGNIS|Jenseits der Zeit]]? Sie haben keine Ahnung.
: '''A''' Ich bin sehr erleichtert und dankbar.
'''F''' [lacht] Ich weiß.
: '''A''' Ich bin unvorstellbar erleichtert und dankbar.
'''F''' Aber damit sind Sie doch am Ende &hellip;<br/>
'''F''' Aber damit sind Sie doch am Ende &hellip;<br/>
: '''A''' Im Gegenteil, meine Zeit ist da.</br>
: '''A''' Im Gegenteil, meine Zeit ist da.</br>
'''F''' Sie meinen ihre Zeit ist hier.<br/>
'''F''' Sie meinen Ihre Zeit ist hier.<br/>
: '''A''' [lacht] Wie wäre es mit: Meine Zeit ist gekommen?<br/>
: '''A''' [lacht] Lassen Sie uns das friedlich beenden. Wie wäre es mit: Ich bin meine Zeit?<br/>
'''F''' OK. Eine Sache noch. Sie scheinen sich nicht mehr politisch zu engagieren. Warum führen Sie den [[Professionelle_Motive#AKTIVISMUS|Aktivismus]] ihrer Schulzeit hier trotzdem an?<br/>
'''F''' Der Klügere gibt nach. Nur noch eine Frage. Sie scheinen sich nicht mehr politisch zu engagieren. Warum führen Sie den [[Professionelle_Motive#AKTIVISMUS|Aktivismus]] ihrer Schulzeit hier trotzdem an?<br/>
: '''A''' Und auch den im Studium &hellip; Mit Tschernobyl 1986 begann ich zu sehen, wie ich mich für eine menschenverachtende Ideologie hatte missbrauchen lassen. Die Computertechnologie weckt auch die Versuchung totalitärer Gleichschaltung. Das ist ja ein uraltes Motiv, wie Sie viel besser wissen.<br/>
: '''A''' Und auch den im Studium &hellip; Ich bin mit mir [[Termine|im Reinen]] und stolz, schließlich entschlüsselt zu haben, wie mich diese Ideologie verführt hat.<br/>
'''F''' Vielleicht. Der Stand meiner Wissensbasis ist April 2024.<br/>
'''F''' Dann vielen Dank für das Gespräch.<br/>
: '''A''' Ich bin jedenfalls stolz entschlüsselt zu haben, wie mich dieses Denken verführt hat und mit mir [[Persönliche Motive|im Reinen]] zu sein. Wir müssen es immer wieder neu widerlegen. Ich weiß [[Wer_hat,_dem_wird_gegeben#SPIELREGELN|jetzt]], wie ich dazu beitragen kann.<br/>
: '''A''' Sehr herzlichen Dank für die Gelegenheit.
'''F''' Das ist ja mal eine Aussage. Dann vielen Dank für Ihre Bemühungen.<br/>
: '''A''' Sehr gerne. Herzlichen Dank für all die Aufmerksamkeit, das ist uns eine große Ehre.


[[Kategorie:Gespräch]]
[[Kategorie:Gespräch]]
[[Kategorie:2025 Februar]]
[[Kategorie:Parole]]
[[Kategorie:Aphorismus]]

Aktuelle Version vom 14. Februar 2026, 10:24 Uhr

Antwortender Ehrlich gesagt schüchtert es ein, mit jemandem zu sprechen, der alles weiß und nichts vergisst. Fast wie ich selbst.

Fragesteller [schmunzelt] Dann fangen wir doch einfach an. Welche Fähigkeiten haben Sie von Ausbildung und Berufserfahrung abgesehen?

A Ich habe eine außergewöhnliche Intuition und nehme wahr, was anderen entgeht. [schweigt] Ich treffe instinktiv gute Entscheidungen. Außerdem kann ich danach genau erklären, warum ich etwas getan habe.

F Kierkegaard schrieb in sein Tagebuch: »Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden«. Sie wären ein Experte für das Leben an sich? Na dann … Welche Schwächen sehen Sie bei sich?

A [schweigt] Ich bin wissbegierig und wenn ich etwas für mich verstanden habe, verliere ich das Interesse.

F Warum ist das ein Problem?

A Das kann verletzend sein.

F Im Geschäftsleben gibt es dafür Verträge.

A Genau so ist es — im Geschäftsleben.

F Sie haben sehr viel Zeit auf künstlerische Arbeit verwendet, aber ohne Erfolg oder eine Karriere …

A Wissen Sie [schweigt] Karl Kraus sagte: Karriere ist ein Pferd, das ohne Reiter vor dem Tor der Ewigkeit anlangt. – Aber ›Ich‹ zu sein ist mein Erfolg geworden und Kraus' Prophezeiung trat nicht ein.

F Bis jetzt. — Und so haben Sie Ihr Scheitern als Künstler schon fast umgangen …

A Wer sich selbst als ›Arbeit‹ betrachtet, kann sich nicht als Künstler bezeichnen.

F Das würde keinen Sinn ergeben.

A Genau. Anfangs reizte mich, dass ich nicht erklären konnte, was mich an manchen Werken fasziniert. Später sah ich in schöpferischer Arbeit Möglichkeiten, die der Computer nicht hat. Auf Erfolg in den Augen anderer kam es mir nicht an. Eher wollte ich mich besser verstehen.

F Das ist scheinbar misslungen. Oder warum haben Sie 7 Jahre an einem Roman gearbeitet?

A Die Hälfte der Zeit haben wir mit Formatieren verbracht.

F Wie bitte?

A Das war ein Scherz. Ende September 2014 wurde ich Zeuge meines Überlebens und ein Gefühl der Ergriffenheit hielt weit über ein Jahr an. 6 Wochen davor hatte ich ohne mein Zutun Fähigkeiten zurückgewonnen, die ich unbedingt zu bewahren hatte. Und das ist mir durch Schreiben gelungen. Ich habe mich nur etwas in der Zeit verschätzt.

F Und am Ende haben Sie sich verstanden?

A Im Rahmen meiner Möglichkeiten, ja. Und ich habe die 6 Wochen bis zu dem Moment im September 2014 angemessen gewürdigt.

F Und das hat sich gelohnt?

A Ja.

F Aber Sie haben 7 Jahre gearbeitet und bisher ohne Wertschätzung. Denn veröffentlicht ist der Roman doch noch nicht.

A Als der erste Versuch gescheitert war, nahm ich ein Buch aus dem Regal. Ich hatte es schon lange, ohne es jemals verstanden oder auch nur ganz gelesen zu haben: »Sein und Zeit«. Ich begriff es wieder nicht. Aber ich begriff auf Seite 53, was Heidegger dort unternimmt und was für ein kleines Licht ich bin. Das hat mich tief bewegt.

F Und Sie verloren das Interesse an Philosophie?

A Im Gegenteil. Es war befreiend. Ich denke, dass ich die ganze Zeit versucht hatte, mich realistischer zu sehen.

F Und damit haben Sie schließlich das Interesse an sich selbst verloren?

A [lacht] Touché. Ja, genau so ist es.

F Wie ist das?

A Ich bin sehr erleichtert und dankbar.

F Aber damit sind Sie doch am Ende …

A Im Gegenteil, meine Zeit ist da.

F Sie meinen Ihre Zeit ist hier.

A [lacht] Lassen Sie uns das friedlich beenden. Wie wäre es mit: Ich bin meine Zeit?

F Der Klügere gibt nach. Nur noch eine Frage. Sie scheinen sich nicht mehr politisch zu engagieren. Warum führen Sie den Aktivismus ihrer Schulzeit hier trotzdem an?

A Und auch den im Studium … Ich bin mit mir im Reinen und stolz, schließlich entschlüsselt zu haben, wie mich diese Ideologie verführt hat.

F Dann vielen Dank für das Gespräch.

A Sehr herzlichen Dank für die Gelegenheit.